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	<title>Heinrich Heine Archives - Ehmers-Blog</title>
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		<title>Denk ich an Europa in der Nacht&#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dr. Jörg Ehmer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 May 2019 16:16:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahl]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Heine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#160;„…dann bin ich um den Schlaf gebracht“, werden viele in Anlehnung an Heinrich Heine spontan ergänzen. Den Meisten kommt dabei vermutlich sogleich der Gedanke an Bürokratie und Geldverschwendung, an Einschränkung der nationalen Souveränität und Kontrollverlust. Unweigerlich denkt man an skurril Anmutendes wie an die Verordnung über die Qualitätsnorm für Gurken...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>&nbsp;„…dann bin ich um den Schlaf gebracht“, werden
viele in Anlehnung an Heinrich Heine spontan ergänzen. Den Meisten kommt dabei
vermutlich sogleich der Gedanke an Bürokratie und Geldverschwendung, an Einschränkung
der nationalen Souveränität und Kontrollverlust. Unweigerlich denkt man an skurril
Anmutendes wie an die Verordnung über die Qualitätsnorm für Gurken (inklusive
zulässigem Krümmungsgrad für Qualitätsstufe I). Oder, um etwas Aktuelleres zu
nennen, an die massive bürokratische Belastung für Unternehmen durch die
novellierte Entsenderichtlinie.</p>



<p>Manche
derart negative Assoziationen sind berechtigt – viele jedoch bei Prüfung und
Nachdenken nicht. Die Gurkenverordnung wurde bereits vor zehn Jahren
aufgehoben. Trotzdem halten sich noch heute viele Unternehmen daran, weil es
entgegen allem Spott Sinn macht (beispielsweise aus logistischen Gründen). Damit
fällt diese Ex-Verordnung in die Kategorie der Kritik, die sich bei näherer
Betrachtung weitgehend in Luft auflöst.</p>



<p>Die Entsenderichtlinie ist sicher alles andere als ein Glanzstück. Gleichwohl ist anzuerkennen, dass sie auf soziale Ausbeutung und Lohndumping reagiert. Und hier wird sie ihre Wirkung entfalten. Sie fällt damit eher in die Kategorie: „Im Kern erforderlich, aber im Detail stark verbesserungsbedürftig“.</p>



<p>Unbestritten
ist, dass man in der Europäischen Union vieles besser machen könnte – und
sollte. Aber für welchen Lebensbereich gilt das nicht? Machen unsere nationale
Regierung, unsere Landesregierung oder unsere kommunale „Regierung“ alles
richtig? Wohl kaum! Und wer kann von sich behaupten, dass er beruflich oder
privat nichts besser machen könnte?</p>



<p>Natürlich ist es richtig, das Schlechte zu benennen und stets nach Verbesserung zu streben. Und in der Europäischen Union gibt es vieles zu verbessern. Gleichzeitig sind aber auch Augenmaß und Realismus gefragt, wenn man etwas so hoch Komplexes, wie eine multinationale Vereinigung verschiedenster Sozialstrukturen bewertet. Es gilt, die Dinge richtig ein- und zuzuordnen.</p>



<p>Bei
dieser Einordnung hilft erneut der Blick auf den Dichter Heinrich Heine, der im
ersten Vers seiner „Nachtgedanken“ formuliert:</p>



<p>„Denk ich an Deutschland in der Nacht, </p>



<p>Dann
bin ich um den Schlaf gebracht,</p>



<p>Ich
kann die Augen nicht mehr schließen,</p>



<p>Und
meine heißen Tränen fließen.“</p>



<p>Heine
schrieb das Gedicht 1843 im Pariser Exil – verbittert über Deutschland und
voller Sehnsucht nach seiner Mutter. Mehr als zehn Jahre zuvor hatte er Deutschland
den Rücken gekehrt. Heine entzog sich so der Zensur und persönlichen
Anfeindungen, ausgelöst durch seine politische Lyrik aber auch durch seine jüdische
Herkunft.</p>



<p>Die
Zeit war geprägt von der Kleinstaaterei des Deutschen Bundes. Sie mündete in
die Märzrevolution, die nicht die angestrebte Demokratie und Einigkeit brachte,
sondern als Gegenreaktion zur Verteidigung der Machtstrukturen noch mehr Gewalt
hervorrief. Das nationale Streben nach Einigkeit, Demokratie und Frieden wurde
in Deutschland historisch immer wieder unterdrückt, um Individual- oder
Partikularinteressen zu verteidigen. In dieser Situation ist das Wehklagen
Heines also durchaus nachvollziehbar. Aber wie sieht es heute aus?</p>



<p>Wer
die Geschichte kennt, der weiß, wie gut es uns heute geht und wie wenig
selbstverständlich dies ist. Frieden in Europa ist historisch gesehen ebenso ein
Ausnahmezustand wie die Völkerfreundschaft zwischen Deutschland und Frankreich.
Es ist der zentrale Verdienst der Politiker nach dem Zweiten Weltkrieg, mit der
Europäischen Union das Fundament für die längste Friedensphase auf europäischem
Boden geschaffen zu haben. Ein gemeinsames Europa mit Kernwerten, die heute
bedeutender und weniger selbstverständlich sind, als noch vor wenigen Jahren.</p>



<p>Wenn Heine vor Zensur floh, dann erwächst daraus die Verpflichtung für alle Europäer, die mühsam erkämpfte Presse- und Meinungsfreiheit zu verteidigen. Und das gilt es auch gegen die zu tun, &nbsp;die diskreditierend und geschichtsvergessen „Lügenpresse“ skandieren, so wie es bereits die Nationalsozialisten vor der Machtergreifung taten. Zu Heines Zeiten musste man sich politisch und antisemitisch motivierten Anfeindungen durch Flucht entziehen – ganz zu schweigen von dem, was im folgenden Jahrhundert geschah. So weit darf es in Europa nie wieder kommen – nie wieder! Wenigstens darüber sollte Einvernehmen bestehen.</p>



<p>In
diesem Sinne müssen sich gerade vor der Europawahl die Fundamentalkritiker der
Europäischen Union fragen lassen, was denn die Alternative sein soll. Wie soll
Frieden in Europa dauerhaft sichergestellt werden? Und wie sollen Stabilität
und Wohlstand abgesichert werden? Soll die Alternative ein loses Miteinander
von sich wieder entfremdenden Staaten sein, in denen Populismus und nationalistische
Abgrenzung Raum greifen? Wollen wir Präsident Trump nacheifern und auf
deutschem Boden wieder eine Mauer bauen? Gewiss nicht! Migration muss an
Entstehungsort und –grund angegangen werden, die Situation in Europa kann nur gemeinsam
mit unseren Nachbarn gelöst werden – auch wenn es nicht leicht ist. Und es kann
auch niemand ernsthaft glauben, ein einzelner europäischer Staat stünde in einer
globalisierten Wirtschaft besser da, als im Verbund mit den anderen. Das trifft
auch für Deutschland zu &#8211; mit oder ohne Gurkenkrümmung und Bürokratie bei
Auslandsentsendungen.</p>



<p>Ohne eine starke europäische Union mit eigener demokratisch legitimierten Rechtssetzungskompetenz taumeln alle europäischen Staaten in die globale Bedeutungslosigkeit, politisch und wirtschaftlich. Damit würden sie Spielball der engstirnigen Egomanen, die zunehmend die Weltpolitik dominieren. Denn in der gegebenen komplexen, globalen Verflechtung werden ökonomische, kulturelle und militärische Machtverhältnisse nicht mehr von Einzelstaaten europäischer Größenordnung bestimmt. Wir haben ja bereits als Europäische Union Schwierigkeiten, uns in der digitalen Welt durchzusetzen. Es steht viel auf dem Spiel und es geht im Kern gerade nicht um das Akronym „EU“, das oft für einen zu Recht kritisierten und reformbedürftigen Beamten- und Kostenapparat steht. Es geht im Kern um die sichere Zukunft der europäischen Völker und Staaten – und damit auch um die unsere. Der einzige Garant dafür ist eine starke Europäische Union.</p>



<p>Gleichzeitig gilt auch, dass ein derartiges Zusammenleben natürlich Kompromisse erfordert. Dies gilt bereits für den Alltag mit Familie und Freunden-, erst Recht aber, wenn sich Völker mit nur teilweise identischer Kultur und Geschichte zusammenschließen. Was Egozentrik im persönlichen Umfeld ist, das ist Nationalismus im internationalen Kontext. Ein Europa, in dem alles genau so läuft, wie nur einer es möchte, das ist utopisch (und auch nicht erstrebenswert).</p>



<p>Unsere
britischen Freunde demonstrieren gerade, wie gefährlich das Spiel mit dem Feuer
ist. Die Nation ist gespalten. Wirtschaft und Wohlstand nehmen ernsthaft
Schaden. Der Irlandkonflikt droht wieder auszubrechen, die Einheit des United
Kingdom steht auf dem Spiel. Wer angesichts dieser Erfahrung ernsthaft eine
Volksabstimmung über einen „Dexit“ für eine Option hält, disqualifiziert sich selbst.</p>



<p>Die Entstehung der Brexit Entscheidung hat uns erneut vor Augen geführt, dass es keine Protestwahlen gibt. Wahlen sind ein politisches Gestaltungsrecht, das unsere Vorfahren unter Einsatz ihres Leben erkämpft haben. Daraus erwächst für alle die Pflicht, dieses Recht verantwortungsvoll zu nutzen. In diesem Sinne ist die Europawahl eine Wahl zur konstruktiven politischen Gestaltung, und keine Gelegenheit zum diffusen Protest. Nutzen wir die Gelegenheit – für eine noch bessere Zukunft!</p>



<p><em>„Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnet.“</em> (Artikel I-2 der Europäischen Verfassung).</p>



<figure class="wp-block-image"><a href="https://europa.eu/european-union/index_de" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.ehmers-blog.de/wp-content/uploads/2019/05/FEB1409E-BE41-4060-A365-049A6FABAF74-1024x683.jpeg" alt="Europa - die Europäische Union zeigt ihre Einheit durch Ihre Flagge - Sterne im geschlossenen Kreis!" class="wp-image-2581" srcset="https://www.ehmers-blog.de/wp-content/uploads/2019/05/FEB1409E-BE41-4060-A365-049A6FABAF74-1024x683.jpeg 1024w, https://www.ehmers-blog.de/wp-content/uploads/2019/05/FEB1409E-BE41-4060-A365-049A6FABAF74-300x200.jpeg 300w, https://www.ehmers-blog.de/wp-content/uploads/2019/05/FEB1409E-BE41-4060-A365-049A6FABAF74-768x512.jpeg 768w, https://www.ehmers-blog.de/wp-content/uploads/2019/05/FEB1409E-BE41-4060-A365-049A6FABAF74-600x400.jpeg 600w, https://www.ehmers-blog.de/wp-content/uploads/2019/05/FEB1409E-BE41-4060-A365-049A6FABAF74-120x80.jpeg 120w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>
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