Kennen Sie eine Frau, die genau einen Ring und genau eine Handtasche hat? Nein? Dann kennen Sie vielleicht einen Mann, der genau eine Krawatte und genau einen Gürtel hat? Auch nicht? Aber sicher kennen Sie viele, die genau eine Brille haben, richtig?
Es ist schon erstaunlich: Beim sichtbarsten aller Accessoires verzichten sehr viele Menschen auf jegliche Abwechslung. Eine Brille ist kein Accessoire denken Sie? Warum nicht? Sie sitzt mitten im Gesicht, es gibt sie in allen erdenklichen Größen, Formen, Farben und Materialien und sie prägt unzweifelhaft den Gesamteindruck. Nichts fällt auf Anhieb so in den Blick. Brillen kann man passend zur Stimmung und Kleidung wählen. Die Bandbreite reicht von dezent und unaufdringlich über elegant bis hin zu extravagant und schrill. Es gibt (fast) nichts, was es nicht gibt. Warum also diese Zurückhaltung?
Denke ich über mich selbst nach, dann muss ich zugeben, dass auch ich bis vor wenigen Jahren jeweils nur eine Brille hatte – und die hat sich im Design über lange Jahre hinweg auch nur wenig verändert. Vom mehr oder minder dezenten Metallgestell bis zur minimalistischen Titan-Randlosbrille. Rückblickend muss ich zugeben: ausgesprochen langweilig und einfallslos!
Seit ich mich beruflich damit beschäftige, hat sich das geändert – und ich möchte die neu entdeckte „Lust auf Brille“ nicht mehr missen. Nun sitze ich sicherlich an der Quelle und nicht jeder wird so viele Brillen haben wollen, wie ich sie habe. Aber warum nicht wenigstens einige? Eine Allround-Brille, eine mit maximalem Tragekomfort, eine für den eleganten Auftritt, eine für den Sport und eine für den Freizeitlook?
Wenn man darüber spricht, dann kommt als Standard-Reaktion “Das ist doch viel zu teuer”. Das ist natürlich Ansichtssache, denn Einstärkenbrillen kosten oft weniger als ein Paar Schuhe. Und eine Gleitsichtbrille muss nicht mehr kosten als ein Anzug – je nach persönlichem Budget wahlweise jeweils maßgefertigt aus der Manufaktur oder aus der Serienfertigung.
Wenn es also nicht der Preis ist, dann bleiben nur die Mythen in unserer Gedankenwelt, wie etwa:
– Die Kasse zahlt nur alle 3 Jahre (…die gesetzliche Krankenversicherung zahlt ohnehin kaum noch für Brillen – und für Handtaschen und Krawatten zahlt sie ja auch nicht)
– Eine Brille ist ein Medizinprodukt (…na und – wer sagt, dass sie nicht auch ein schickes Accessoire ist?)
– Ich brauche nur eine neue Brille, wenn die Sehwerte sich verändern (…und eine neue Handtasche nur, wenn die eine, die man hat, ein großes Loch hat)
Also, werfen Sie alte Denkmuster über Bord und probieren Sie einmal aus, wie Sie sich mit anderen Brillen fühlen – Sie werden sehen: Abwechslung und Veränderung erfreuen!
Nachbemerkung: Den vorstehenden Beitrag habe ich Ende 2016 geschrieben, also vor fast zehn Jahren. Ich kann mich nicht mehr erinnern, warum ich ihn seinerzeit nicht gepostet habe. Vermutlich ist es einfach in der Hektik des Tagesgeschäfts untergegangen.
Als ich heute die Fachmesse Opti besucht habe, war ich einmal mehr überwältigt von der Vielfalt des Brillenangebotes. Und da erinnerte ich mich daran, dass ich kürzlich auf meinem Blog zufällig über den unveröffentlichten Beitrag „gestolpert“ war. Damit war der perfekte Zeitpunkt gefunden, um den Beitrag zu veröffentlichen.
Vermutlich hätte ich das eine oder andere heute nicht genau so formuliert, aber der Kerngedanke stimmt unverändert: variatio delectat. Und damit meine ich im weiteren Sinne „Abwechslung erfreut“, man könnte auch sagen „Vielfalt erfreut“.