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Social Media – nur eine Brutstätte für dümmliche Kommentare?

Jeder kennt die Horror-Geschichten von der aus dem Ruder gelaufenen Facebook-Party. Und jeder beobachtet Menschen, die den ganzen Tag damit verbringen, Belanglosigkeiten zu twittern oder auf Facebook zu posten. Cybermobbing ist in aller Munde und die unbedachte Verbreitung peinlicher Fotos über Instagram ist an der Tagesordnung. Das spricht auf den ersten Blick klar dafür, Social Media in die Kategorie „Fluch“ einzuordnen.

Andererseits kennt auch jeder die Bedeutung von Social Media bei der politischen Umwälzung im arabischen Raum und in Afrika – wer nicht zum Clan der geschassten Despoten gehört, dürfte diese Social-Media-Wirkung eher in die Kategorie „Segen“ einsortieren.

Zugegeben, das scheint weit weg zu sein. Und in einem freien Staat gibt es auch andere Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren und seine Meinung frei zu äußern. Aber dennoch, die aktuelle Hochwasserkatastrophe zeigt sehr plastisch die positive Kraft, die auch bei uns in Social Media steckt. Binnen weniger Tage haben sich zehntausende Menschen via Facebook zusammengetan und organisiert. Über dieses Medium wurde und wird ein nennenswerter Teil der Hilfeleistungen koordiniert. Twitter hat den Menschen so zeitnahen Zugang zu Informationen gegeben, wie kein traditionelles Medium – all dies bekommt von mir einen „Daumen hoch“ für Social Media.

Aber selbst in diesem positiven Umfeld bleibt das Element „Brutstätte für dümmliche Kommentare“ nicht außen vor. Ein konkretes Beispiel: Wir haben auf unserer MEDIMAX-Facebook-Seite letzte Woche kommuniziert, dass wir in unseren Märkten für Hochwasseropfer sammeln und haben als Startkapital 25.000 Euro in die Sammeldose geworfen. Binnen weniger Stunden haben dies über 1.000 Menschen geliket. Das zeigt nicht nur, dass die Community lebt, sondern vor allem, dass die Menschen Anteil nehmen.

So weit so gut – richtig spannend wird es allerdings, wenn man in die Kommentare schaut. Neben den zahlreichen Anmerkungen a la „Super Aktion“ finden sich befürchtungsgemäß auch Kommentare wie „Das ist ja wohl für einen so großen Konzern ein schlechter Witz“ und andere Forderungen, mehr zu spenden. Zu meiner Freude funktioniert in diesem Fall die Selbstregulierung: Andere halten selbstbewusst und pointiert dagegen.

Für mich ist die Kritik nicht nachvollziehbar. Ist es etwa besser, nichts zu spenden als vermeintlich zu wenig? MEDIMAX wird zusammen mit seinen Kunden sicher in Summe über 100.000 Euro Spenden sammeln und damit zahlreichen Menschen helfen können. Bereits letzte Woche wurden 5.000 Euro aus dem Topf dem Verein Streetwork in Gera zur Verfügung gestellt, der in diesen Tagen akute materielle Soforthilfe leistet, Bekleidung stellt, Betroffene psychologisch betreut und vieles mehr.

Wäre es besser gewesen, nichts zu machen? Wer nichts macht, macht keine Fehler? Jedes soziale Engagement eines Unternehmens kann kritisch werden, weil es immer Menschen gibt, die hinter jedem Baum eine böse Verschwörung wittern und offensichtlich einfach nicht damit leben können, dass jemand etwas Gutes macht. Wer es sich also als Unternehmer einfach machen möchte, der macht einfach nichts. Dann wird er wenigstens nicht kritisiert, weil er nicht noch mehr macht.

Verhielten sich alle so, sähe es düster aus. Gerade mittelständische Unternehmer tragen bekanntlich unser Gemeinwesen. Sie engagieren sich sozial und kulturell, fördern den Breitensport und vieles mehr. Folgerichtig sind es auch bei dieser Flutkatastrophe mittelständische Unternehmen, die neben den Spenden aus der Bevölkerung das Hauptspendenaufkommen tragen werden. Schon zwangsweise mittelbar über Steuern, aber zusätzlich freiwillig über eigene Spenden.

Besonders heikel wird die Diskussion, wenn sich Unternehmen in ihrem Geschäftsfeld engagieren. AEG beispielsweise hat letzte Woche mitgeteilt, dass Flutopfer 20% Nachlass auf AEG-Waschmaschinen erhalten. Ich bin mir sicher, auch hier wird es Kommentare geben wie „Die wollen ja nur ihre Waschmaschinen verkaufen“. Ich sage „Na und“, selbst wenn es so wäre! Wer die Waschmaschine vor dem Hochwasser nicht aus dem Keller gewuchtet hat, der benötigt eine neue. Da ist es doch toll, wenn er einfach so 20% Nachlass bekommt, oder? Ich finde die Aktion gut – und MEDIMAX unterstützt sie, indem wir die kostenlose Lieferung drauflegen (genau, es geht nur darum, Geschäft zu machen!).

Auch hier wäre es für AEG einfach gewesen, die Aktion nicht zu machen und trotzdem Waschmaschinen zu verkaufen. Es ist ja übrigens auch nicht so, dass AEG nur 20% mehr Maschinen verkaufen müsste, um wirtschaftlich neutral da zustehen. 20% niedriger Verkaufspreis (zzgl. MwSt-Effekt) bedeutet gut 20%-Punkte Margenverlust. Je nachdem, wie viel Marge die Herstellerkalkulation beinhaltet, muss also zumindest ein Vielfaches verkauft werden, wenn die Rechnung betriebswirtschaftlich aufgehen soll. Ob die Aktion diesen Hebel haben wird, darf bezweifelt werden, zumal die BSH nahezu zeitgleich eine 100-Euro-Cashback-Aktion angekündigt hat.

Also, ich jedenfalls bin nicht bereit, mir mein Engagement durch solche Miesepeter vermasseln zu lassen – und zum Glück sehen es viele Manager und Unternehmensinhaber ähnlich.


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