Augenoptische Versorgung sicherstellen

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Die Unternehmen der Augenoptik gehen mit der aktuellen Corona-Krise höchst unterschiedlich um. Nicht alle übernehmen Verantwortung für die augenoptische Versorgung der Bevölkerung. In einem Interview, welches ich der DOZ als führendem Branchenmagazin gegeben habe, erläutere ich die Position von Apollo und meine persönliche Haltung.

DOZ: Wie erleben Sie die aktuelle Corona-Krise?

Es handelt sich um eine ernste Krise mit weitreichenden Konsequenzen, wie sie die meisten von uns so noch nicht erlebt haben. Ich bin froh, in Deutschland leben zu dürfen und bis jetzt sehr zufrieden damit, wie gut die Krise im Großen und Ganzen von unseren Politikern und Behörden gemanaged wird. Ich erlebe in Deutschland viele Besserwisser, aber weltweit kaum Bessermacher. Und ich bin begeistert, wie gut unser Gesundheitssystem funktioniert sowie darüber, was zahllose Menschen in vielen Bereichen für das Gemeinwohl leisten.

Nach massiven Schwächen des föderalistischen Systems haben wir nun einen Status erreicht, der es auch Apollo ermöglicht, vernünftig zu arbeiten und dem Versorgungsauftrag flächendeckend gerecht zu werden. Das hat – auch uns – einiges an Überzeugungsarbeit und Kraft gekostet.

DOZ: Wie kommen Sie bei Apollo mit der aktuellen Herausforderung klar?

Es ist sicher keine einfache Situation, aber ich bin sehr stolz auf das, was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten – und auch mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Das bedarf viel Improvisation, schneller Entscheidungen und unternehmerischen Handelns – schön, dass wir als großes Unternehmen dazu in der Lage sind.

DOZ: Welche Maßnahmen ergreift Apollo zum Schutz seiner Mitarbeiter und Kunden bzgl. der Corona-Pandemie?

Von Anfang an stand für uns ohne jeden Zweifel fest, dass oberste Priorität die körperliche Unversehrtheit von Menschen hat – egal ob es sich um unsere Mitarbeiter, unsere Kunden oder sonstige Dritte handelt. Wir haben schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt zusätzlich zu den allgemeinen Verhaltens- und Hygieneregeln eigene zusätzliche Sicherheitshinweise und Handlungsanweisungen an unsere Teams gegeben, um bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Dabei haben wir uns an den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation sowie des Robert Koch Instituts orientiert, es aber auch um eigene Maßnahmen ergänzt, die wir gemeinsam mit internen und externen Spezialisten definiert haben. Natürlich haben wir auch von Erkenntnissen aus unserem globalen Unternehmensverbund GrandVision profitiert.

DOZ: Wie geht Ihre Belegschaft mit der Situation um?

Die allermeisten Mitarbeiter gehen sehr besonnen und professionell mit der Situation um. Sicher hilft an der Stelle unsere sehr intensive, transparente und detaillierte Kommunikation, inklusive der zahlreichen praktischen Tipps und Handlungsanweisungen. Manche Mitarbeiter haben trotzdem Ängste und Sorgen, die wir natürlich sehr ernst nehmen. Im Rahmen der Möglichkeiten eröffnen wir hier Wege, um möglichen Konfliktsituationen auszuweichen. Gleichzeitig bin ich wirklich sehr beeindruckt, mit wie viel Engagement und Herzblut viele Mitarbeiter den Versorgungsauftrag für die Bevölkerung wahrnehmen. Dafür bin ich sehr dankbar.

DOZ: Können Ihre Mitarbeiter bei den Kunden einen Abstand von mindestens 1,5 Metern einhalten?

Vorab: noch wichtiger als der Mindestabstand ist, dass kranke oder möglicherweise kranke Personen den Laden nicht betreten. Wir haben entsprechende Verhaltensanweisungen an allen Zutrittstüren angebracht und unser Personal angewiesen, darauf zu achten, dass erkennbar erkrankte Personen den Laden nicht betreten bzw. vor der Beratung wieder verlassen, wenn sie ihn doch betreten. In vielen unserer kleineren Filialen, wird Zutritt nur nach Anklopfen ermöglicht. Generell besteht die Anweisung, den Zutritt so zu begrenzen, dass der Mindestabstand eingehalten werden kann. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt haben wir unsere Mitarbeiter angewiesen, ausreichenden Abstand insbesondere im frontalen Kontakt einzuhalten. Wir haben an mehreren Stellen im Laden klar erkennbare Schilder angebracht, die um Einhaltung des Mindestabstands bitten und unseren Mitarbeitern praktische Verhaltenstipps gegeben. Unter anderem bitten wir auch den Kunden mitzuhelfen, indem er manche Handgriff einfach selbst übernimmt.  

DOZ: Bieten Sie bestimmte Dienstleistungen oder Produkte nicht mehr an?

Wir bieten keine Dienstleistung mehr an, die nur unter Verletzung unserer Sicherheitsregeln erbracht werden könnten. Zwei praktische Beispiele: Die Arbeit mit der Spaltlampe oder die Messung der PD mit dem Pupillometer wird nicht mehr durchgeführt – meistens kann man beispielsweise die PD ohnehin aus der Kundendatei ermitteln.

DOZ: Warum haben Sie weiterhin geöffnet? Wäre die Umstellung auf Notbetrieb eine Maßnahme, um die Ausbreitung des Coronavirus auszubremsen oder zu verlangsamen?

Die weit überwiegende Mehrzahl der Apollo-Filialen hat aus mehreren Gründen geöffnet: Einerseits vertrauen wir den Profis, die definiert haben, dass Optiker und Akustiker zu den systemrelevanten Unternehmen gehören, die für die Versorgung der Bevölkerung im jetzigen Stadium ihren Betrieb aufrecht erhalten sollten. Diese klare Entscheidung von Bundes- und Landesregierung ist nicht einfach so und ohne Abwägung der Risiken getroffen worden, sondern professionell beraten durch führende Spezialisten und nach gründlicher Abwägung. Wir setzen uns nicht über diese Bewertung hinweg.

Ich finde es auch schwierig, wenn einzelne Unternehmen sich das Recht einräumen, diese Entscheidung der Regierungen auszuhebeln. Was würde man sagen, wenn Ärzte, Pflegepersonal, Polizisten oder die Mitarbeiter in Lebensmittelhandel und Drogerien so agieren würden? Die Entscheidung liegt bei den Verantwortungsträgern unseres Staates und solange diese nicht evident falsch entscheiden, sollten Unternehmen dies auch nicht ohne Not abweichend bewerten und sich verweigern.
Natürlich gilt dies nur in den Grenzen des wirtschaftlich Leistbaren. Deswegen haben auch wir bereits einige Filialen zusammengelegt und unsere Öffnungszeiten angepasst. Auch zukünftig werden wir unsere Leistung und Präsenz dem Bedarf anpassen, dabei aber gleichzeitig versuchen, eine bestmögliche Versorgung der Bevölkerung in der Breite sicherzustellen.

Abschließend ein weiterer Grund: Es entspricht nicht meinem Grundverständnis von unternehmerischer Verantwortung, sich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit unter das staatliche Dach der vollständigen Kurzarbeit zu flüchten. Auch wir werden Kurzarbeit durchführen. Aber eben nur im wirklich erforderlichen Umfang. Wir haben an uns selbst den Anspruch, so lange wie möglich und so weitgehend wie möglich auf eigenen Füßen zu stehen und nicht der Allgemeinheit zur Last zu fallen.

DOZ: Profitiert Apollo bisher von der Schließung aller Fielmann-Filialen in Deutschland?

Uns geht es aktuell nicht darum, zu profitieren und wir messen unseren Erfolg auch nicht daran. Wir messen unseren Erfolg daran, dass wir auch in einer für alle schweren Situation für die Menschen da sind, die uns brauchen –auch wenn wir, wie im Moment, damit kein Geld verdienen. Deshalb haben wir auch unsere Aktion #füreinander ins Leben gerufen: Wir bieten allen Kliniken in Deutschland an, für ihre Belegschaft kostenlos Expressreparaturen durchzuführen oder bei Bedarf auch Brillen zu ersetzen, damit Ärzte und Pflegepersonal sich auf das konzentrieren können, worauf es im Moment ankommt: Leben retten.

DOZ: Wie ist die Situation für Sie als Unternehmer?

Natürlich ist es extrem anstrengend und persönlich herausfordernd. Gleichzeitig ist es aber auch sehr befriedigend, zu sehen, wie sehr man auf ein tolles Team zählen kann und wie engagiert die allermeisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitziehen. Viele sind auch sehr stolz auf das, was wir leisten. Die entsprechenden Rückmeldungen – auch und gerade von Kunden, die dringend unsere Hilfe benötigen – entschädigen für Vieles und bestätigen mich darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

DOZ: Welche finanziellen Auswirkungen erwarten Sie wegen des Coronavirus?

Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden global ganz erheblich sein, nur ganz wenige Länder werden diese Krise so gut verkraften können wie Deutschland – wir sehen also alle gemeinsam stürmischen Zeiten entgegen.

Ein Kommentar

  1. Moin Herr Dr. Ehmer.
    Ich mach gerade Pause und lese Ihren Blog und da nehme ich mir doch kurz die Zeit für eine Rückmeldung vom POS. Ich finde es mutig in dieser Zeit ein Interview zu geben, weil das Risiko die Balance zu verlieren relativ hoch ist. Haben Sie aber wieder gut hin bekommen. CHAPEAU 😉 aber trotzdem: NICHTS ist aktuell wichtiger als der Mindestabstand. Nichts desto trotz denke ich auch an die vielen Menschen die alleine zu Hause sitzen und nicht die Möglichkeit haben, sich mit jemanden auszutauschen, einfach weil niemand da ist. Ich hoffe, unabhängig von dem wirtschaftlichen Desaster, dass wir, als Gesellschaft, bald mit der Situation klar kommen und das wieder alle an einem ganz normalen Leben teilnehmen können.
    In diesem Sinne und nochmal zum Wochenende: Bisher haben Sie und Ihr Team einen Prima Job gemacht.
    Viele Grüße aus Hamburg und bleiben Sie gesund.
    Ulf Hansemann

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