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Düsseldorf sagt Danke, Herr Stark!

Es fing aus Düsseldorfer Sicht so schön an: 1:0 nach einem Blitzstart. Nach weniger als dreißig Sekunden hatte Maximilian Beister das Runde dahin befördert, wo es bekanntlich hingehört – in’s Eckige. Nach dem 2:1 im Hinspiel schien der berühmte Drops gelutscht und unter den Fortuna-Fans hätte die Stimmung kaum besser sein können. Dann mit einem 1:1 in die Pause. Es folgte das 2:1 und kurz vor Ende der regulären Spielzeit ein aus Sicht der Rheinländer völlig unnötiges 2:2.

Das Spiel war dem Anlass der Relegation angemessen, manchmal hochklassig, manchmal eher bieder bis ängstlich, aber zumeist spannend. Es hätte so ein schönes Fußballfest werden können, wenn nicht einige Zuschauer bereits während der zweiten Halbzeit mehrfach das Spiel durch massenweise bengalische Feuer auf dem Spielfeld gestört hätten. Die hierdurch verursachten Unterbrechungen führten dann zu angemessenen 7-Minuten-Nachspielzeit. Und das war erst der Auftakt zur Fußball-Provinzposse.

Bereits bei den bengalischen Feuern hatte ich ernsthafte Zweifel, ob die Organisatoren über erstligataugliche Fähigkeiten verfügen. Es waren nicht nur eine oder zwei bengalische Feuer im Stadion sondern Dutzende, ergänzt um Feuerwerkskörper, Raketen, Böller und vieles mehr. Wer bei einem solchen Spiel die  kritischen Fangruppen nicht professionell prüft, der darf sich über ein solches Chaos nicht wundern und zahlt die fällige Strafe zu Recht. Ebenso peinlich wie ärgerlich, schon in diesem Stadium hat man fahrlässig den Spielabbruch riskiert.

Bekanntlich gibt es aber kaum eine Dummheit, die nicht noch steigerungsfähig wäre. 90 Sekunden vor Spielschluss stürmten Düsseldorfer „Fans“ zu Hunderten das Spielfeld. Man hatte als Zuschauer im Stadion das Gefühl, dass die Sicherheitskräfte im Tiefschlaf gelegen haben. Es waren nicht etwa nur wilde Randalierer, man sah auf dem Spielfeld auch Eltern mit ihren Kindern, alles zwischen 8 und 80 tummelte sich auf dem Spielfeld. Sie alle konnten bequem ohne ernsthafte Hindernisse in den Innenraum gelangen.

Über 20 Minuten hat es gedauert, bis das Chaos halbwegs beseitigt war. Die Teams und Schiedsrichter hatten sich zwischenzeitlich in die Kabinen zurückgezogen. Endlose Zeit verging, bis alle Spieler wieder auf dem Feld standen und die letzten 90 Sekunden spielten. Danach ein hemmungsloses Freudenfest beim erneuten Sturm des Spielfeldes. Manch einer hat sich eine große Scholle Rasen für den heimische Garten mitgenommen, aber im Großen und Ganzen blieb es friedlich.

Wenn die Tumulte nicht noch am grünen Tisch ein unangenehmes Nachspiel haben, dann ist Fortuna Düsseldorf nach 15 Jahren wieder in der ersten Bundesliga angekommen. Und das haben Sie dann vor allem einem Mann zu danken. Damit meine ich weder den Trainer noch einen Spieler sondern den Schiedsrichter. Er hat in einer maximalen Stress-Situation außerordentlich souverän gehandelt. Sicher ist man in Berlin nicht wirklich glücklich, aber nüchtern betrachtet geht das Ergebnis sportlich in Ordnung. Durch den Wiederanpfiff wurde eine Entscheidung am grünen Tisch hoffentlich vermieden – diese wäre so oder so unglücklich gewesen. Im Stadion wäre es zudem vielleicht zu erheblichen Ausschreitungen gekommen und das hätte übel ausgehen können.
Also, lieber Wolfgang Stark, Glückwunsch zu Ihrer souveränen Spielleitung – Düsseldorf und alle Sportsleute sagen Danke!


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2 Antworten : “Düsseldorf sagt Danke, Herr Stark!”

  1. M.Bongartz sagt:

    Falls dieses Verhalten der Fans und diese Vorkommnisse nicht mit entsprechenden Konsequenzen geahndet werden, werden Türen und Tore für solche Chaoten geöffnet, bzw. es werden sich hochmotivierte Nachahmer finden.

    Über einen „Flitzer“, im Anlitz so wie Gott ihn schuf, laufend über das Spielfeld, konnte man damals evtl. noch schmunzeln. Heute würde dieser jedoch ebenfalls als Mitglied einer Hundertschaft auf dem Spielfeld auflaufen.

  2. Dr. Ehmer sagt:

    Folgende Nachricht hat mich soeben zur Entscheidung des DFB Sportgerichts via Mail erreicht – ich will sie den Blog-Lesern keinesfalls vorenthalten:

    Düsseldorfer Fans stürmen DFB-Sportgericht

    In der Annahme, dass das Urteil über den Aufstieg ihrer Fortuna in die Fußball-Bundesliga endlich fest steht, strömten Tausende Düsseldorfer Fans vorzeitig in den Verhandlungsraum in der DFB-Zentrale.Turbulente Szenen in Frankfurt: Als Richter Hans E. Lorenz gerade sein abschließendes Urteil in der Verhandlung über die Wertung des Relegationsspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC aussprechen wollte, stürmten mehrere Tausend Fortuna-Fans den Gerichtssaal in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes.

    „Ich habe ganz deutlich den Richterhammer gehört“, sagt ein seliger Düsseldorfer Anhänger, der sich als einer der ersten den Weg in den Verhandlungsraum bahnen konnte, um sich eine der Topfpflanzen als Andenken zu sichern. „Die Kaffeekanne hatte sich leider schon jemand anderes unter den Nagel gerissen.“

    Während sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach schockiert über die Zustände im Sitzungsraum zeigte („Wenigstens ein Stück Teppich hätten sie uns doch lassen können!“), zeigte sich Richter Lorenz angenehm überrascht. „Es ist in meiner Karriere auch nicht so oft vorgekommen, dass man mich auf Händen trägt“, sagte der stolz ein Bengalo schwenkende Jurist mit freiem Oberkörper.Unterdessen litten die Hertha-Verantwortlichen Todesangst – „und zwar davor, dass dieser Alptraum hier niemals mehr aufhören wird.“

    ps der Urheber ist identifiziert, Satire aus der WELT:
    http://m.welt.de/article.do?id=%252Fsatire%252Farticle106352256%252FDuesseldorfer-Fans-stuermen-DFB-Sportgericht.html

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