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Lebendiger Handel in langweiligen Einkaufsstraßen?

Kennen Sie das Gefühl? Man kommt in irgendeine Innenstadt und hat, auch wenn es nicht so ist, immer häufiger das Gefühl „Das kenne ich doch schon“. Egal ob Frankfurter Zeil, Dortmunder Westenhellweg oder Kölner Schildergasse – in den Einkaufsstraßen der deutschen Innenstädte sieht es überall mehr oder minder gleich aus. Sicher ergeht es vielen wie mir: Ich finde dies extrem langweilig.

Die Entwicklung spiegelt eine soziologische Veränderung wider. Im Gewohnten findet der Mensch Festigkeit und Halt. In dem Maße, in dem in den letzten Jahren und Jahrzehnten andere Orientierung gebende Faktoren verloren gegangen sind, haben starke Marken diese Funktion teilweise übernommen. Ihnen vertraut man nicht nur, mit ihnen gehört man auch dazu – gerade bei jungen Menschen eine teilweise fatale Entwicklung. Sie wird geboren aus einem hohen Maß an persönlicher Unsicherheit und den fehlenden sozialen Strukturen, um dies aufzufangen oder auf wichtigere Werte zu fokussieren. Wer schon als Kind oder Jugendlicher eher Schuh- oder Bekleidungsmarken folgt als den vermittelten positiven Wertmaßstäben, dem wird es auch als Erwachsenem schwer fallen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese selbstbewusst zu vertreten. Ohne fehlendes Werte-Fundament wird man leicht beeinflussbar, egal ob für Konsumtrends oder politische Modeströmungen ohne gesunde Substanz.

Ein Blick über die Grenzen Deutschlands zeigt, dass es sich um eine globale Entwicklung handelt. Selbst im chinesischen Quingdao, um nicht Beijing zu nennen, ähneln mittlerweile die Einkaufsstraßen dem Bild, das man in zahllosen Städten Europas findet. Folgerichtig tragen die Menschen auch die gleiche Kleidung. Und diese Strukturveränderung macht nicht in den Großstädten Halt. Gehen Sie einmal bewusst in die Innenstadt einer beliebigen Stadt mit beispielsweise 50.000 Einwohnern, dann sehen Sie, wovon ich spreche – oftmals wurde dort die Westenhellweg-Einzelhandelsstruktur kleingeschrumpft.

All dies kann man – wie ich – beklagen, oder man mag es gut finden. Es sind Fakten. Für den mittelständischen Unternehmer stellt sich die Frage, wie er sich bei dieser Entwicklung erfolgreich behaupten kann. Klar ist, dass die hohen Mieten in vielen der Top-Lagen nur einigen wenigen Filialketten ausgewählter Branchen noch wirtschaftlich sinnvoll eine Existenz ermöglichen. Oft genug ist es eher eine Marketinginvestition, um an hochfrequenter Lage dem Markenpublikum – egal wo es dann kauft – das gewünschte Markenbild zu vermitteln. In diesem Konzert kann, muss und will der normale Einzelhandelsunternehmer nicht mitspielen.

Aber neben den Top-Einkaufsstraßen gibt es auch andere hoch interessante Einkaufslagen. Hier ist dann in der Praxis auch ein exzellenter Raum für erfolgreichen, lebendigen – und nicht monoton-langweiligen – Einzelhandel. Hier ist Raum für mittelständisches Unternehmertum. Wie aber soll der Unternehmer der auch in diesem Umfeld immer stärker werdenden Sog- und Bindungswirkung von Marken begegnen?

Die gute Nachricht für mittelständische Unternehmer ist, dass nicht nur Filialunternehmen eine starke Marke bieten, die diese Funktion gegenüber dem Verbraucher übernehmen kann. Wahrscheinlich gibt es kein Land, in dem es stärkere Verbundgruppen gibt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Unternehmer bei ihrem Erfolg zu unterstützen. Wir sind in Deutschland in der glücklichen Lage, dass sich dies über alle Handelsbereiche erstreckt.

Wer kennt sie nicht, die VEDES Spielwarengeschäfte, INTERSPORT Sportgeschäfte, die Einzelhandelskaufleute unter den Dächern von REWE und EDEKA – und natürlich, soviel Eigenwerbung muss erlaubt sein, in der Consumer Electronic die Marken der ElectronicPartner Unternehmensgruppe, wie EP: oder MEDIMAX. Und es gibt in den genannten und zahlreichen anderen Handelsbereichen viele weitere erfolgreiche Verbundgruppen, die eines gemeinsam haben: Sie ermöglichen mittelständischen Unternehmern, als Teil eines Großen und Ganzen aufzutreten und mit den zentralen Marken Konsumentenvertrauen zu gewinnen und zu behalten.

Mit fortschreitender Entwicklung wird die Luft für Einzelkämpfer außerhalb dieser Systeme dünner. Sicher, wer sich einer Verbundgruppe anschließt und zusätzlich entscheidet, eine ihrer Marken zu führen, gibt immer auch ein Stück unternehmerischer Freiheit auf. Denn er kann nicht mehr in jeder Hinsicht tun und lassen, was er will. Eine Marke kann gegenüber dem Konsumenten nur dann strahlen und Vertrauen entfalten, wenn das Vertrauen auch durchgehend gerechtfertigt wird. Dies gilt gerade in Social-Media-Zeiten mehr denn je. Daher gehören gewisse Mindeststandards und ein gemeinsames Verständnis von Markenwerten dazu. Wer sich dem nicht unterwerfen möchte, dem darf zum Wohle der Anderen und zum Schutz der Marke auch kein zu deutlich abweichender Sonderweg zugestanden werden. Wer die Mindeststandards nicht einhalten möchte, der findet angesichts der Vielzahl von Verbundgruppen in Deutschland ein einzigartig vielschichtiges Angebot, mit einer Vielzahl von Marken. Da sollte für jeden das Passende dabei sein.

Übrigens sind nicht nur die Marken ein Erfolgsfaktor der in Verbundgruppen organisierten Unternehmer. Die beratende Begleitung durch den Verbund gewinnt in dem Maße an Bedeutung, in dem sich die Welt immer schneller dreht und immer globaler wird. Kaum ein Einzelhändler kann aus eigener Kraft die passende Kommunikationsstrategie in Richtung seiner Kunden definieren und umsetzen, angefangen von Print- über Online-Kommunikation inklusive intelligenter Social-Media-Aktivität. Verbundgruppen beraten und begleiten die Unternehmer auch betriebswirtschaftlich. Deswegen kommen die Verbundgruppenmitglieder auch seltener in wirtschaftliche Schwierigkeiten und gehen seltener insolvent, als komplett auf sich gestellte Unternehmer. Dies bestätigt eine Untersuchung des Mittelstandsverbundes, und auch die Banken erkennen es mit günstigeren Finanzierungskonditionen an – weil das Risiko geringer ist.

Auch auf Warenseite wird das Einzelkämpfertum immer schwieriger. In Zeiten, in denen die Industrie auf integrierte Logistikkonzepte mit vernetzter IT baut und in denen langfristige Disposition zur Selbstverständlichkeit wird, ist man in einer leistungsstarken Gemeinschaft zukunftsfähiger aufgestellt. Exklusive Produkte, in einigen Warenbereichen Eigenmarken und viele andere strategisch wichtige Dinge sind klassische Verbundleistungen, die ein wichtiger Erfolgsbaustein sind. Das gilt für Handel mit Schuhen ebenso wie für den Handel mit Spielwaren, Sportgeräten oder Consumer Electronic.

Also, liebe Einzelhandelsunternehmer, falls Sie noch keiner Verbundgruppe angeschlossen sind oder diese lediglich als Großhandelsunternehmen in Anspruch nehmen, überdenken Sie dringend Ihre Strategie – der andere Weg ist erfolgversprechender.

 


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1 Antwort : “Lebendiger Handel in langweiligen Einkaufsstraßen?”

  1. So viele Lorbeeren für Verbundgruppen – hier schreibt ein „Kenner“. Den Ausführungen kann man kaum etwas hinzufügen, außer dass die Bedeutung außerhalb der Szene und in der Politik noch bekannter werden muss. Auch kann man leider noch nicht durchgängig von „den Banken“ sprechen, die die Verbundgruppenmitgliedschaft honorieren, weil viele immer noch eindimensional auf Bilanzzahlen – also in die Vergangenheit – schauen. Die gute Nachricht ist aber: es gibt immer mehr Banken- insbesondere aus der Gruppe der bekannt „mittelstandsfreundlichen“, die um die Vorteile der überbetrieblichen Zusammenarbeit im Mittelstand wissen und diese mit einem „Verbundgruppenbonus“ belohnen. Auch hier gilt: steter Tropfen höhlt den Stein – wir bleiben dran!

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