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OLED-Displays für Fernseher – Mehrwert oder Marketingblase?

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, zumindest die beiden koreanischen TV-Hersteller werden die anstehende IFA nutzen, um für die Technologie OLED zu trommeln. Doch was steckt dahinter, was ist OLED? Bringt OLED dem Kunden einen Mehrwert oder ist es nur eine Marketing-Story, die in wenigen Monaten durch die nächste Sau abgelöst werden wird, die dann lautstark durch das CE-Dorf getrieben wird?

OLED steht für „organic light emitting diode“, also für eine organische Leuchtdiode, die im Bereich Displays eine extrem dünne Bauweise ermöglicht – im Konzeptstadium sogar gebogene/ biegsame Displays. Diese Technologie kommt, da selbstleuchtend, ohne Hintergrundlicht aus. Somit entfällt eine Kosten und Produktionsaufwand verursachende Komponente (Backlighteinheit) und es wird Energie gespart. Aus Nutzersicht noch wichtiger: so wird ein deutlich besserer Kontrast möglich. Schwarz ist hier schwarz und nicht ein vom Rest- und Streulicht aufgehelltes Dunkelgrau.

Auch die Reaktionsgeschwindigkeit ist viel kürzer als bei LCD-Displays – schnelle Bewegungen werden so perfekt wiedergegeben. Selbst transparente Displays sind technisch möglich, was in den kommenden Jahren zu einer unglaublichen Vielzahl von Anwendungs- und Gestaltungsmöglichkeiten führen wird. Dazu wird auch beitragen, dass sich OLED-Displays partiell bereits per Inkjet drucken lassen – selbst wenn die Entwicklung insoweit noch am Anfang steht, auch dies wird im Reifestadium nicht nur Kostenvorteile ermöglichen.

All dies unterscheidet OLED deutlich vom letztjährigen IFA-TV-Thema „3D“. Wie von nahezu allen Insidern vorhergesagt, ist 3D keine neue Entwicklungsstufe für Fernseher, sondern ein Feature, das eher den Stellenwert eines Hygienefaktors einnimmt. Mit anderen Worten: Kaum jemand kauft wegen 3D einen neuen Fernseher, doch wenn es denn schon einen neuen Fernseher gibt, dann bitte mit 3D.

OLED hingegen hebt TV auf eine neue Entwicklungsstufe und ermöglicht echten (relevanten) Kundennutzen, vor allem in Design (immer wichtiger) und Funktion (Bildqualität). Auch die Technologieschlacht um OLED zeigt, wie viel Potential die Hersteller in dieser Technologie sehen.

Samsung und LG liefern sich seit Monaten einen Ankündigungswettbewerb, wobei sie technologisch unterschiedliche OLED-Konzepte verfolgen. Samsung wird OLEDs in rot, grün und blau verwenden (also in den Primärfarben, mit/aus denen bekanntlich die anderen Farben gemischt werden). LG hingegen wird ergänzend mit weißen LED arbeiten und die konstante Farbwirkung durch eine Art Filter zusätzlich verbessern. In der Theorie hat die Samsung-Variante den Vorteil einer zumindest am Anfang höheren Bildqualität, da die Filter „Licht schlucken“. Wohingegen die LG-Variante in der Theorie den Vorteil der höheren Farbstabilität und Lebensdauer hat. Letzteres ist übrigens generell ein potentieller Nachteil der OLED-Displays gegenüber der LCD/LED Technologie. Gerade Probleme mit der Lebensdauer sowie deren Farbstabilität haben die Entwicklung serienfähiger OLED-TV jenseits der 20 Zoll immer wieder verzögert. Es bleibt also spannend, welche Technologie sich auf Dauer durchsetzen wird und wie es generell um die Lebensdauer bestellt ist.

Dass die Hersteller der neuen Technologie echte Wachstumsimpulse zutrauen zeigt auch die Rangelei, die im Hintergrund abläuft. So etwas macht man nicht bei einem bloßen Marketing-Hype, sondern nur, wenn man sich handfeste Vorteile in einem relevanten Markt verspricht. Es klingt schon nach einem abenteuerlichen Wirtschaftskrimi, wenn Samsung LG beschuldigt, mit unlauteren Mitteln Geschäftsgeheimnisse auszuspähen. Beide wollen sich von den Japanischen Wettbewerbern differenzieren und die rasch wachsenden chinesischen Hersteller, die mittlerweile selber LCD/LED-Panels produzieren, auf Distanz halten. Japanische Unternehmen versuchen ihrerseits mit Kooperationen technologisch Paroli zu bieten – Sony und Panasonic kooperieren bei OLED.

Selbstverständlich werden die OLED-Fernseher auch 3D haben (wie gesagt, Hygienefaktor). Wichtiger ist aber noch, dass auch im Bereich Vernetzung und Bedienung das technisch Machbare integriert sein wird. Damit wird in Design, Bildqualität, Bedienung (Gestensteuerung) und Multimedia-Nutzung ein neuer Maßstab gesetzt werden. Den Handel kann all dies nur freuen. Neue, erklärungsbedürftige und innovative Produkte flutschen nicht von selber von der Palette über den Kassentresen oder in den virtuellen Warenkorb. Hier ist Beratung und Qualifikation gefragt. Derart begeisternde Produkte müssen gezeigt, zelebriert und erlebt werden. Sinnvoller Weise werden sie auch nicht nur bis hinter die erste abschließbare Türe geliefert, sondern professionell angeschlossen und in das Heimnetzwerk integriert. Und da flache Fernseher (die 55er OLEDs werden deutlich weniger als einen Zentimeter „dick“ sein!) in aller Regel einen lausigen Ton haben, bleibt noch genug Spielraum für ein Soundsystem – vorzugsweise natürlich in eine Multiroom-Lösung eingebunden. Wer nur den „nackten Fernseher“ verkauft, berät seine Kunden nicht sachgerecht und verschenkt obendrein Geld.

Also, alle Leistungsfähigen dürfen sich über die neuen Möglichkeiten freuen und sollten unbedingt der Versuchung widerstehen, diese technologischen Meisterwerke zu verramschen.


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1 Antwort : “OLED-Displays für Fernseher – Mehrwert oder Marketingblase?”

  1. Alexander Saul sagt:

    Lieber Joerg,

    ich habe das erste mal vor 2 Jahren auf der IFA von OLED gehört und die unglaublich geringe Bautiefe dieser Technologie sowie die Brillianz der Farben und Kontraste bewundert. Spontan vielen mir viele Anwendungsmöglichkeiten ein, die sich auf den erstem Blick völlig abgehoben anhören aber weit über die Nutzung, „nur“ als Fernseher hinaus gehen.
    Vor dem Hintergrund der extrem geringen Einbautiefe (schon heute unter Laborbedingungen um die ca. 0,5 mm(!!!)) laesst sich vorstellen, dass unsere Kinder in einigen jahren mit OLED beschichteten „coolen“ Hemden, T-Shirts und Jacken im Nachtleben unserer Städte Aufmerksamkeit suchen. Ich hingegen habe beschlossen meinen immer noch sehr schicken, 3 Jahre alten Loewe 52“ Flatscreen (der verglichen mit neuen Modellen und erst recht OLED gar nicht mehr so „flat“ ist) so lange zu behalten bis die OLED Technologie quasi als Tapete in 3 x 4 Meter an die Wand geklebt werden kann. Einen vertrebaren Preis einmal vorausgesetzt. Man stelle sich dann einmal das Erlebnis vor, vor so einer Kinowand in extrem guter Qualität fernzusehen, Computerspiele zu spielen oder die OLED Wand einfach nur, je nach Stimmung, mit verschiedenen Elementen, wie z.B. Meer, Wald, Aquarium, Himmel zu bespielen und diese Wand als höchst individuelles Gestaltungselement der eigenen vier Wände zu nutzen.
    Ich hoffe diese Technologie kommt bald. Kann es kaum erwarten.

    Viele Gruesse
    Alex

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