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Gewaltbereit?

„Gewaltbereite Hooligans“ waren das Top-Thema vieler Tageszeitungen und Magazine in den letzten Tagen. Vor den Krawallen in Köln mag manch einer noch klammheimlich gefeixt haben, dass es doch gar nicht so schlecht ist, wenn sich Hobby-Schläger mit islamistischen Terroristen prügeln. Das war natürlich zu kurz gesprungen. Aus gutem Grund hat in Deutschland der Staat das Gewaltmonopol. Alleine der Staat hat die Legitimation, mit seinen rechtsstaatlichen Mitteln, Radikale aller Richtungen in die Schranken weisen. Nun hat sich in Köln – wie zuvor und wohl leider auch demnächst – gezeigt, was passiert, wenn Hooligans sich mit Ewiggestrigen zusammen tun: Krawalle, hässliche Parolen, Randale. Und einmal mehr mussten Polizisten ihre Knochen hinhalten.

So weit, so schlecht. Manch einer mahnt und warnt jetzt lauter, als vor den Kölner Krawallen. Andere zeigen sich erschrocken von den „gewaltbereiten Hooligans“. Dieser Begriff zeigt, dass die Situation vielfach noch immer nicht verstanden wird. Wie kann man ernsthaft die Menschen, die in Köln Polizisten verletzt, Streifenwagen umgeworfen, Journalisten bedroht und Scheiben eingeworfen haben, als gewaltbereit bezeichnen?

Gewaltbereit? In diesem Sinne wäre Robert Harting, amtierender deutscher Meister, Europa- und Weltmeister sowie Olympiasieger im Diskuswerfen sicher ein gewinnbereiter Sportler – und Marcel Reich-Ranicki ein lesebereiter Rezensent. Wie wäre es mit Rekord-Torschütze Miroslav Klose als torschußbereitem Stürmer?

All dies ist natürlich Unsinn. Harting tritt in den Ring, um zu gewinnen, Reich-Ranicki liebte Literatur, er lebte für sie, und Klose fokussiert sich darauf, genau an der richtigen Stelle zu stehen, um das Runde ins Eckige zu befördern. Und entsprechend ist es auch mit den Krawallmachern von Köln. Sie wollen sich prügeln. Sie sind nicht gewaltbereit, sondern sie streben danach. Gewalt gibt ihnen den gesuchten Kick, das gewünschte Machtgefühl oder was auch immer die Motivation sein mag. Wären sie Fußballfans, die sich mit den Fans der Gegner des Fußballs und ihres Vereins zuliebe prügeln, dann verbündeten sie sich wohl kaum mit eben diesen „Feinden“. Es geht gerade nicht um Fußball und um den Lieblingsverein. Es geht darum, Gewalt zu suchen, sie auszuleben, Selbstjustiz gegen andere auszuüben und staatliche Regeln zu brechen.

Also sollten alle das Kind beim Namen nennen: es geht nicht um Menschen, die bereit sind, gewalttätig zu werden, sondern um Menschen, die nach einem Umfeld und nach einem Anlaß suchen, um gewalttätig zu sein.


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