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Hilfe, ich seh‘ nichts mehr!

Was haben wir nicht alles gemacht in den vergangenen Monaten! Handel, Industrie und Medien haben getrommelt was geht. Allein ElectronicPartner hat seit Ende 2009 in über 20 Millionen Prospekten informiert, Radio- und TV Spots geschaltet, online-Banner platziert, social media genutzt und und und… Mit gutem Gewissen kann man wohl sagen: die Nachricht kann keinem verborgen geblieben sein. Mehr wäre wohl nicht gegangen – oder kaum. Und nun heißt es: Nichts geht mehr, rien ne va plus. Wovon ich rede? Das digitale Satellitensignal wurde heute über Nacht sukzessive abgeschaltet. Wer die Technik für seinen Fernsehempfang nicht auf digital umgerüstet hat, der sieht jetzt im wahrsten Sinne des Wortes schwarz.

Für den Handel wird es heute trotz aller Kommunikation im Vorfeld sicher ein spannender Tag. Viele werden sich fühlen wie ein Reifenhändler, wenn der erste Schnee fällt. Kundenspruch des Tages: „Könnse mal eben vorbeikommen, mein Fernseher tut et nich.“ „Kannichnich!“ wird die Lieblingsantwort sein, falls der Anrufer überhaupt durchkommt. Heute wird sicher auch ein Tag für den klassischen Anruf von Mutter/Vater oder Großmutter/-vater bei Enkel/Sohn/Tochter sein: „Kind, mein Fernseher geht nicht (… ich habe diesmal sogar schon die Batterien der Fernbedienung ausgetauscht )“.

Und das ist erst der Anfang – heute wird noch so einiges mehr passieren. Viele werden auf dem Sofa sitzen und fassungslos auf einen dunklen Flatscreen starren. Kleiner Tipp für die ungewohnte Situation: Schau’n Sie mal nach rechts, das neben Ihnen ist Ihre Frau. Werden wir vielleicht in neun Monaten die Frage nach der Ursache des Babybooms (wäre ja bevölkerungspolitisch wünschenswert) mit „Analogabschaltung“ beantworten?

Oder werden gar die klassischen Brettspiele rausgekramt? Na das wird ja lustig. „Mensch ärgere Dich nicht“ ist über die Jahre im Schrank nicht ungefährlicher geworden; der Familienkrach ist vorprogrammiert (falls überhaupt jemand den Würfel findet). Die Intellektuelleren unter den Schwarzsehern können es ja mal wieder mit Scrabbel versuchen. Aber auch das wird – wie früher – im Klingonen-Scrabbel enden: Wie, Du kennst „ykzsoredn“ nicht? Das wird doch in Star Treck 3 immer von den Klingonen gerufen…

Völlig Verzweifelte werden über ihren Schatten springen und zu Onkel Norbert fahren (genau, ich meine den nervenden Klugsch…, der aber – auf ihn ist Verlass – hundertprozentig umgestellt hat). Fatalisten erinnern sich daran, dass nach Prophezeiung der Maya ohnehin in diesem Jahr drei Tage vor Weihnachten die Welt untergeht. Da muss man jetzt auch nicht mehr auf Digital umstellen. Achtung bei labiler Psyche, nicht dass sich jemand selbst verstümmelt, in der Hoffnung auf Digital TV im Krankenhaus. Dann doch lieber in die nächste Kneipe gehen. Die ist zwar wahrscheinlich überfüllt und die Bedienung überfordert, aber der Fernseher in der Ecke macht es wett – wenn er denn umgestellt ist. Schön – und in diesem speziellen Fall zweckmäßig – kann auch eine Übernachtung im Hotel garni nebenan sein.

Vielleicht passiert aber auch – analog zum Jahrtausendwechsel – wenig, und die verbliebenen Kunden mit Umstellungsbedarf warten geduldig, bis neue Winterreifen da sind. Ähm, ich meine, bis jemand Zeit hat, auf das Dach zu steigen und den LNB zu wechseln. Zum Glück liegt ja gerade kein Schnee.

Also, nur nicht die Nerven verlieren (und, falls Sie tatsächlich schwarz sehen: kurzfristig etwas anderes machen; dann aber schnellstens zum örtlichen Fachhändler, der hilft gerne und qualifiziert!).

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