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Die Patin

Der Titel: Die Patin. Dazu ein Scherenschnitt-Porträt der Bundeskanzlerin sowie der Untertitel „WIE ANGELA MERKEL DEUTSCHLAND UMBAUT“ – und über allem, in Großbuchstaben, der Name der Autorin: GERTRUD HÖHLER“. Diese Umschlagseite lässt keine Zweifel offen: Eine selbstbewusste Autorin wird ein aus ihrer Sicht abzulehnendes, wenn nicht gar abstoßendes Machtsystem schonungslos bloßstellen und anprangern.

Dennoch, selbst so vorgewarnt überrascht es streckenweise schon, mit welcher Härte und Respektlosigkeit die Bundeskanzlerin verbal attackiert wird. Schade, denn nötig wäre dies nicht – die Kritik in der Sache, egal ob man die Ansicht der Autorin teilt oder nicht, ist unmissverständlich und treffend genug.  Ein Glück, dass es eine Frau ist, die unnötig mehrfach die Grenze zum Ehrabschneidenden überschreitet; einem männlichen Autor unterstellte man vermutlich andere Motive als der Wissenschaftlerin, Publizistin und Kommunikationsfachfrau Prof. Gertrud Höhler.

Wenn ich den angeschlagenen Ton teilweise so kritisch sehe und überdies der Meinung bin, dass die Autorin die Sachaussagen des Buches auch gut auf 150 statt 273 Seiten hätte unterbringen können, warum erachte ich dann dieses Buch für lesenswert und empfehle es hier zur Lektüre?

Weil es durch Inhalt und Diktion wachrüttelt und aufmerksam macht. Weil es den Blick auf politische Fehlentwicklungen lenkt, die parteiübergreifend eine Schwächung unserer demokratischen Ordnung und Machtverteilung bewirken – wenn nicht zum Ziel haben. Und weil es Ereignisse der jüngeren Vergangenheit, die den politischen Beobachter mehr oder minder irritieren und (ver)stören, nicht nur aufgreift und grob beschreibt. Die Autorin stellt Zusammenhänge her, zeigt Verhaltensmuster und Entwicklungen auf und bewertet kritisch.

Auch wenn Getrud Höhler es immer wieder an der Person Angela Merkel festmacht, letztlich beschreibt sie damit unabhängig von der Ursache zumindest auch das aktuelle politische System insgesamt, seine Wirkmechanismen und Konsequenzen. Das Themenspektrum ist breit. Angefangen von systemtragenden Werten (oder vom beklagten Fehlen solcher) über Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung bis hin zu Themen wie Redlichkeit, Berechenbarkeit, Zuverlässigkeit und Vieles mehr.

Dies alles regt – unabhängig von der politischen Grundeinstellung – zum Nachdenken an. Kaum ein Leser wird das Buch ohne Erkenntnisgewinn zur Seite legen und bei nur wenigen wird dieser darin bestehen, dass die bisherige persönliche Meinung und Sichtweise uneingeschränkt bestehen bleibt. Und genau aus diesem Grund ist das Buch lesenswert.

Also, wenn Sie noch ein Weihnachtsgeschenk für einen politisch interessierten Menschen suchen, dann sollten Sie „Die Patin“ von Gertrud Höhler auf Ihre Einkaufsliste setzen – der freundliche Buchhändler um die Ecke freut sich auf Ihren Besuch.

PS: Danke an meinen Schwiegervater, der mir dieses Buch zum Geburtstag geschenkt hat.

„Die Patin“ , Verlag: Orell Füssli , Hardcover,1. Auflage, September 2012, ISBN: 978-3-280-05480-2.

1 Antwort : “Die Patin”

  1. Daniel Strunz sagt:

    Nicht nur, aber eben auch weil Sie statt des erwartbaren Amazon-Affiliate-Link, den Hinweis an den „freundlichen Buchhändler um die Ecke“ bringen, mag ich ihren Blog sehr.

    Vielen Dank und viel Freude beim weiter bloggen.

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