Zum Welttag des Kusses: Besser vergucken (zum Artikel "Etwas mehr Unaufgeregtheit wäre gut"

Etwas mehr Unaufgeregtheit wäre gut

Etwas mehr Unaufgeregtheit wäre gut. Heute hat Apollo zum Welttag des Kusses unter anderem ein Foto zweier sich küssender Frauen in der Werbung genutzt.

Welttag des Kusses 1024x371 - Etwas mehr Unaufgeregtheit wäre gut

Hierzu gab es negative Kundenreaktionen – zum Glück wenige. Als Geschäftsführer habe ich diese persönlich beantwortet. Homosexuelle Paare gehören zur gesellschaftlichen Realität, warum sollten sie nicht ohne jeden Hintergedanken so abgebildet werden, wie auch andere Paare und Individuen unserer bunten Welt abgebildet werden? Nicht bevorzugt, nicht instrumentalisiert –  aber auch nicht benachteiligt oder negiert. Einfach so, wie es im „echten Leben“ ist. Daher meine Kernaussage: Etwas mehr Unaufgeregtheit wäre gut. Nachfolgend exemplarisch ein Mailwechsel:

Das Anschreiben des Kunden:

Guten Tag,

ich hatte heute Ihre Werbung per Mail (Newsletter) bekommen. Darin wirbt Ihr Unternehmen für Kontaktlinsen.

Abgebildet werden u.a. zwei Frauen die sich küssen. Ich frage mich, warum unbedingt lesbische Werbung gemacht werden muss. Der Großteil der Bevölkerung lehnt diese Zurschaustellung von lesbischen und schwulen Gemeinschaften ab.

Ich weiß nicht, ob Sie sich damit eine Kundschaft erschließen oder eher vergraulen. Bleiben Sie doch lieber neutral.

Diese von oben verordnete Vielfalt etc. wird der Bevölkerung aufgezwungen, weil man dadurch die Gesellschaft und damit die Familie zerstören will, so lässt sich die Masse besser kontrollieren und manipulieren. Zusammen mit dem Genderunsinn schafft man eine Gesellschaft von Psychopathen, in der alles möglich ist und leider nichts mehr natürlich, sondern rein künstlich geschaffen. Somit entfernen wir uns als Menschen immer mehr von unserem natürlichen Ursprung. Leider ist das von den psychopathischen Eliten so gewollt.

Und leider macht Apollo da mit.

Um das einzudämmen bzw. von meiner Seite aus ein Zeichen zu setzen, werde ich nicht mehr bei Ihnen kaufen.

Mein Umsatz bei Ihnen lag in 2021 bei über 2.000 €.

Grüße

XYZ

Meine Antwort:

Guten Tag Herr XYZ,

Ihre Mail vom heutigen Tag hat mich erreicht und gerne antworte ich Ihnen als Geschäftsführer von Apollo persönlich.

Sie stellen die Frage, warum in einem Newsletter zwei lesbischen Frauen küssend dargestellt werden müssen und empfehlen uns, lieber neutral zu bleiben. Als Zeichen Ihrer Missbilligung dieser Abbildung kündigen Sie an, Ihre Brillen zukünftig nicht mehr bei Apollo zu kaufen.

Da wir mit großer Leidenschaft möglichst vielen Menschen mit erstklassigen Sehhilfen zu besserer Lebensqualität verhelfen, bedauern wir es natürlich, wenn uns ein Kunde den Rücken kehrt. Auch wenn ich allenfalls hoffe, aber gewiss nicht erwarte, Sie zu überzeugen, möchte ich Ihnen trotzdem einige Hinweise geben:

Sie empfehlen uns Neutralität, fordern aber genau das Gegenteil. Apollo agiert seit nunmehr 50 Jahren überaus erfolgreich am Markt. In diesen 50 Jahren gab es keine Bilddarstellung von offen nicht heterosexuellen Paaren. Dies entspricht nicht der Lebensrealität und ist in sich selbst, so muss man rückblickend selbstkritisch sagen, nicht neutral, sondern negierend oder sogar diskriminierend.

Erstmals haben wir diese Praxis nun heute zum Tag des Kusses durchbrochen, indem eines von mehreren Bildmotiven nicht einen Mann und eine Frau, sondern zwei Frauen beim Kuss zeigt. So wie es täglich in Deutschland hunderttausendfach, wenn nicht millionenfach vorkommt. Selbstverständlich. Auch sonst bilden wir in unserer Werbung das ab, was gesellschaftliche Realität ist. Und dazu gehören junge Menschen ebenso wie ältere, schlanke wie untersetzte, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe, Menschen mit oder ohne Handicap – all dies spielt für uns als Unterscheidungskriterium keine Rolle. Dazu gehört ausdrücklich auch Homosexualität.

Für uns ist es selbstverständlich, dass wir die Welt so bunt annehmen, wie sie ist und dass wir die Realität des Lebens nicht nur unaufgeregt wahrnehmen, sondern sie auch gerne in unserem Verhalten einschließlich unserer Kommunikation willkommen heißen. An allen unseren Ladentüren klebt ein Schild, das unmissverständlich sagt “Bei Apollo sind alle willkommen“. Das ist kein Lippenbekenntnis, es kommt von Herzen und wir nehmen das überaus ernst.

Anders als Sie vermuten ist diese Haltung auch nicht „verordnet“ oder „aufgezwungen“. Wir stehen damit in der guten Tradition des Grundgesetzes, in welchem als fundamentaler Grundsatz unseres Zusammenlebens in Deutschland festgeschrieben ist, dass Benachteiligungen oder Bevorzugungen aus sachfremden Gründen zu unterbleiben haben. Wir als Staat und Gemeinschaft bekennen uns in Deutschland zur Diskriminierungsfreiheit und stehen dazu, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Aus vielen Gesprächen und unternehmensinternen Umfragen weiß ich, dass unsere Teams dies in aller Breite begrüßen und auch aus diesem Grund Apollo sehr schätzen.

Wie ich eingangs schrieb, sehr geehrter Herr XYZ: Ich erwarte nicht, Sie zu überzeugen; aber es würde mich freuen, wenn ich einen Impuls zum Nachdenken gesetzt hätte.

Mit besten Grüßen

Dr. Jörg Ehmer

297x210 AO Gleichberechtigungs Aufkleber2021 RZ 1024x724 - Etwas mehr Unaufgeregtheit wäre gut
(Hinweis in diesem Blogbeitrag: Dieses Motiv ist Bestandteil meiner Standard-Mailsignatur.)

2 Kommentare

  1. Richtig so Herr Ehmer, diese E-Mail so zu beantworten. Ich war selber drei Jahre bei Apollo tätig. Ich begrüße diese Firmenphilosophie. Alle gleich Willkommen! Diskriminierung, Rassismus, Ablehnung…. Das hat in unserer Gesellschaft nichts zu suchen. LG Jasmin Fahlbusch

  2. Sehr geehrter Herr Ehmer, meinen ehrlichen Respekt für diesen Beitrag! Nicht weil er einer Kampagne wie vielen folgt die etwas normalisiert das längst selbstverständlich sein sollte, sondern weil sie eine bemerkenswerte Reaktion auf den Umgang damit zeigt. Man kann mit vielem werben was die breite Masse anspricht (oder gerade “in” ist) und negative Reaktionen darauf weg ignorieren. Aber so konsequent und überzeugt dazu zu stehen ist nicht immer üblich. Ich arbeite in einem Unternehmen für und mit Menschen – von ganz jung bis ganz alt und dabei ist das wichtigste, dass der Mensch zählt – egal in welcher “Hülle”, auf welchem Entwicklungsstand oder wo das Herz hin fällt. Diese offene, neutrale und wertschätzende Haltung teile ich aus Überzeugung und werde nicht müde dies weiter zu tun, auch wenn das nicht immer auf Verständnis oder Gegenliebe stößt und leider noch viel zu häufig als deplatziert angesehen wird. Daher freut es mich umso mehr, dass ein großes Unternehmen wie Apollo und Sie als Mensch das so konsequent tun. Vielen Dank dafür!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.